Begleitwort
Gründen ist und bleibt ein
Wagnis - und in Deutschland gibt es immer noch überdurchschnittlich viele Menschen, die
erst dann dieses Wagnis eingehen, wenn nichts anderes mehr geht. Menschen aber, die nicht
erst arbeitslos werden müssen, um von der Selbständigkeit fasziniert zu sein, sehen oft
vor lauter Ideen und Tatendrang die Fallstricke nicht. Und auch wenn sie schon nächtelang
über begeisterte Kunden und Expansionschancen philosophiert haben, haben sie noch lange
keinen Überblick.
Vielleicht bringt sie dann das erste Gespräch mit dem
Bankberater zur Besinnung - zumal der selbst durch Basel II und die schwierigen
Geschäftslage seines Arbeitgebers unter gehörigem Druck steht. Und schon vorher kann es
passieren, dass ihnen der berühmte potentielle Investor im Fahrstuhl begegnet, der bis
zum 20. Stock von der "interessanten" Geschäftsidee überzeugt werden will -
und den kleinen Raum mit einem freundlichen Lächeln verlässt. Wer nicht innerhalb von 60
Sekunden erklären kann, was ihn befeuert, hat im Wettlauf um Kredite und
Beteiligungskapital schon verloren. - Denkt der Gründer und sollte sich darum
schnellstmöglich an die Erstellung eines Businessplanes setzen.
Denn der Businessplan gibt zuallererst einen Raum zum
gründlichen Nachdenken. Was macht mein Produkt eigentlich aus? Was macht es einzigartig?
Was brauche ich, um es herzustellen? Wer wird es möglicherweise kaufen, wer und warum
darauf verzichten? Wie und zu welchem Preis bringe ich es an Mann und Frau? Wie reagiert
die Konkurrenz? Was kann bei der ganzen Sache schief gehen? Wie viel Geld brauche ich
eigentlich? Welche Rechtsform? - Alle diese Fragen müssen hier systematisch und
realistisch und anschaulich beantwortet werden. So dass der Gründer, wenn er das Ganze
ernsthaft betreibt, am Ende der zwanzig oder dreißig Seiten auch selbst viel besser
durchblickt.
Natürlich kann es ihm dann trotzdem noch passieren, dass
der smarte Vertreter einer Venture-Capital-Gesellschaft auf einen Blick belastbare Zahlen
zur Marktgröße, zur Wettbewerbssituation oder zum Wachstumspotential vermisst. Dass der
geradezu bohrend nachfragt, über was für Managementerfahrungen der Gründer denn
eigentlich verfügt. Und wovon er in den Jahren der Anschubphase leben will. Doch erstens
lässt sich jeder Businessplan verbessern. Zweitens weiß man inzwischen, wie sich auch in
52 Sekunden das Wichtigste sagen lässt. Und drittens ist ein Businessplan gar nicht
darauf angelegt, einmal erstellt und dann nur noch bei nostalgischem Bedarf hervorgeholt
zu werden.
Der Businessplan ist vielmehr der ständige Begleiter, mit
dem man sich immer neu über die Eckpfeiler des Unternehmens und seiner Entwicklung
unterhält. Den die Geldgeber hervorziehen, wenn sie beim monatlichen Report wieder einmal
nicht zufrieden sind. Und der einem hilft, bei Tochtergründungen, der Einführung neuer
Produkte oder bei Umstrukturierungen diesseits der Leitplanken zu bleiben - als work in
progress.
Jeder Gründer sollte darum so früh wie möglich an seinem
Businessplan schreiben - wohlgemerkt: nicht etwa schreiben lassen. Und jeder Gründer wird
darum auch wertvolle Hinweise in diesem Band finden. Als Bundesvorsitzender des größten
deutschen Verbandes junger Unternehmer und Führungskräfte wünsche ich Ihnen bei der
Umsetzung Ihrer Ideen viel Erfolg!
Thorsten Westhoff
Bundesvorsitzender der Wirtschaftsjunioren
Deutschland |